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FMEA – Hürde oder Chance?

INTERVIEW MIT EXPERTE MARTIN WERDICH VON DER FMEA PLUS AKADEMIE

Systematische Fehlermöglichkeits- und Einflussanalysen (FMEA) sind eine empfehlenswerte Option für jedes moderne Unternehmen. Martin Werdich ist Geschäftsführer der FMEAplus Akademie. Er unterstützt Unternehmen und Organisationen als externer Moderator, wenn diese die FMEA-Methode in ihre Abläufe einführen möchten. Im Interview mit iqs erklärt Werdich alles, was Sie über die FMEA wissen sollten und wie Sie die Einführung in Ihrem Unternehmen reibungslos meistern.

Auf welche Widerstände treffen Sie in Unternehmen bezüglich FMEA?

Die Widerstände, gegen die sich die FMEAMethode durchsetzen muss, teile ich in systemische, psychologische und technische Widerstände ein:

Systemische Widerstände gibt es beispielsweise in Organisationen, bei denen ein FMEA-Prozess zunächst Doppelarbeit verursacht. In diesen Organisationen werden die meisten Entwicklungsarbeiten mit anderen Werkzeugen durchgeführt, wodurch es zu Überschneidungen kommt. Dazu gehören auch Firmen, die sich recht schnell aus dem Handwerk heraus entwickelt haben und deren Meister und Top-Ingenieure noch (vermeintlich) alle Schritte und möglichen Probleme im Kopf haben. Des Weiteren gibt es Unternehmen, deren Geschäftsleitung die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse noch nicht kennen oder deren Nutzen noch nicht verinnerlicht haben. Sie halten gerne an ihren alten Arbeitsweisen fest.


Psychologische Widerstände kommen z.B. von Entwicklern, die bereits selbst schlechte Erfahrungen mit der FMEA gemacht oder von solchen gehört haben. Andere wiederum haben viele Vorbehalte vor Veränderungen, wenn neue oder zusätzliche Arbeit am Horizont auftaucht. 

Technische Widerstände sind z.B., wenn keine geeignete FMEA-Software im Hause existiert,
keine Methodenkompetenz vorhanden ist oder diese niemand anwenden kann. Häufig kommt es auch vor, dass die Aufgabe so trivial ist, dass eine FMEA keinen Sinn macht. Sämtliche technische Widerstände lassen sich nur mit fachlicher Kompetenz und den richtigen Entscheidungen auflösen.

Wie etabliert man eine nutzbringende und gelebte FMEA-Kultur?

In der täglichen Arbeit muss die FMEA als selbstverständlich integriert sein und sollte nicht in Frage gestellt werden. Das können Sie nur erreichen, wenn der Aufwand zur Erstellung vergleichsweise gering und der Nutzen für die eigene Arbeit hoch ist. Voraussetzung dafür ist eine optimale Integration der FMEA-Methode in den Produktentstehungsprozess: Knowhow sollte schnell, jederzeit und überall für alle Berechtigten zu finden und eindeutig zu interpretieren sein. Dies wiederum kann nur
erreicht werden, wenn sämtliche Entscheider hinter der FMEA stehen, Entwicklungsprozesse optimiert sind, eine geeignete Software mit grafischer Unterstützung vorhanden ist und die Benutzer gut darin geschult sowie methodisch auf dem neuesten Stand sind.

Was sind in der Praxis die häufigsten Fehler bei der Erstellung der FMEA?

Vorweg sei gesagt: Der schlimmste Fehler ist, sie gar nicht oder zu oberflächlich umzusetzen. In der Umsetzung fehlt es dann oft an Methodenkompetenz. Das führt dazu, dass Anforderungen unsystematisch in die Folgen oder Fokusebene der FMEA geschrieben werden. Den Erstellern ist nicht bewusst, dass zwischen den Funktionen der FMEA und den Anforderungen ein n:m-Verhältnis existiert. 

Fehlende Blockdiagramme, Zieldefinitionen und Scoping verursachen zu tiefe oder zu flache Analysen, und fehlende Funktionsanalysen führen zu einer Verwechslung der Ursachen und Folgen. Formulierungen sind oft zu schwammig und bei der Anwendung der Risikoprioritätszahl (RPZ) entstehen zweifelhafte Bewertungen. In diesem Falle verliert die FMEA Ihren Sinn.

Welche Tipps und Tricks empfehlen Sie für eine erfolgreiche Erstellung einer FMEA?

Das wichtigste ist eine klare Zieldefinition, was mit der FMEA erreicht werden soll. Ebenso brauchen Sie Regeln und Vorgehensweisen, die in der Organisation sauber definiert sind, z.B. eine konsequente Anwendung der Schritte nach der VDA/AIAG-Methodik. Dabei sollte die Moderation ausschließlich durch Profis geschehen. Eine generische FMEA finanziert aus der Organisation führt zu geringeren Projektkosten und Aufwänden sowie qualitativ hochwertigeren Analysen.

Was muss eine FMEA-Software leisten, damit sie ein Unternehmen und dessen Qualität unterstützt?

In erster Linie benötigt solch eine Software eine korrekte Methodik, die nach allen gängigen Normen und Methodenbeschreibungen funktioniert. Ebenso wichtig ist ein benutzerfreundliches und intuitives Führen der Anwender. Hierzu sind zoombare, interaktive grafische Übersichten nötig, in denen der Anwender schnell navigieren kann.


Wünschenswert wäre eine integrierte Analyse-Software mit möglichst wenigen Medienbrüchen. Dort, wo ich um Schnittstellen nicht herumkomme, sollten diese übersichtlich zu bedienen sein. Nutzen gewinne ich durch eine übersichtliche Ausgabe der Ergebnisse. Ein standardisierter, einfacher und bunter Report ist ideal. 

Das Zauberwort für die Übersichtlichkeit ist die intelligente Ausblendung nicht benötigter Informationen – mein Team und ich wollen auf dem Monitor immerhin nur das sehen, über das wir auch tatsächlich diskutieren. Denken Sie hier an den Erfolg von Google: Ich sehe nur, was für mich wichtig ist. Hierzu möchte ich Ihnen auch die Umfrageergebnisse im aktuellen FMEA-konkret (19-10) empfehlen.

Was ist die Rolle eines externen FMEA-Moderators?

Der interne Moderator ist der Prophet im eigenen Land ... Ich sehe externe Moderatoren in erster Linie als Unterstützung der
internen FMEA-Moderatoren. Sie sind sehr nutzbringend, wenn die internen Methoden optimiert werden müssen, beispielsweise bei der Erstellung der Methodenbeschreibung. Externe Moderatoren helfen außerdem, wenn ich meine Methodenlandschaft ändern möchte, denn sie treten der Betriebsblindheit entgegen. Oder wenn ich kurzfristig Expertise oder
Kapazitäten benötige, für die es sich nicht lohnt, eigene Kompetenz aufzubauen. Auch beim ersten Aufbau von Strukturen für neue Produkte oder Prozesse sind sie hilfreich. Wenn Sie einen dauerhaften Moderator benötigen, ist es nachhaltiger, wenn Sie das Wissen bei Ihnen im Betrieb aufbauen und Ihre eigenen Mitarbeiter schulen und nach vorne pushen.

Wie sehen Sie die FMEA in der aktuellen Diskussion rund um das Thema Industrie 4.0?

Ich sehe einen großen Nutzen für integrierte Systeme: Bei guter Integration der FMEA können Sie zum Beispiel Diagnosen aus der Reklamationsbearbeitung oder im Servicefall mit den Fehlerbäumen aus der FMEA durchführen. Ihr Produktmanagement und das Marketing können Sie mit übersichtlichen Funktionsanalysen unterstützen. Bei komplizierten Projekten ermöglicht die FMEA den Projektleitern die Fäden wieder in die Hand zu geben und Entscheidungen können Dank der FMEA auf Basis von Zahlen getroffen werden, die Sie ohne solch eine Methode erst zwei Jahre später bekommen würden.

Wie wird sich die FMEA in der Zukunft entwickeln?

Wenn es uns gelingt, die Analysemodelle näher an die realistischen Produkte und Prozesse zu bringen – und dies auch noch
anwenderfreundlich und übersichtlich – dann erwarten wir eine exponentielle Entwicklung! Hierzu muss ich aber dringend erwähnen, dass das Wort FMEA schon lange nicht mehr passt: Fehler und Folgen zu bestimmen ist nur ein Bruchteil der modernen Anwendung. Eher trifft der Ausdruck präventive Analyse zu. Diese Analytik scheint sich aktuell in die
Richtung eines universellen Analysemodells zu verschieben. Viele Menschen, die „mal“ was von einer FMEA gehört haben, denken, dass es sich um eine zweidimensionale Analyse handelt. Diese Annahme ist seit gut 40 Jahren überholt. Heute handelt es sich um ein fünfdimensionales Konstrukt, das nur mit zielgerichteten grafischen Übersichten beherrscht werden kann. Das bedeutet, ich erwarte einen starken, konsolidierenden und gleichzeitig exponentiell wachsenden Analysesoftware-Markt.

Haben Sie noch einen letzten Rat an Unternehmen, die kurz vor der Einführung der FMEA-Methode stehen?

Ungeplante und inkompetente Einführungen verursachen erfahrungsgemäß einen Verlust von zwei Moderatoren-Generationen sowie eine Einführungsdauer von mindestens zehn Jahren bei mindestens doppelten Kosten.
Das Wichtigste daher zuerst: Liebe Geschäftsführungen,

  • „bitte definiert klare Ziele bezüglich der FMEA.“
  • „stellt entsprechend Kapital und Kapazität zur Verfügung. Nicht zu viel und nicht zu wenig, eine gute Daumenzahl ist ein Fulltime Moderator pro ca. 500 Mitarbeiter.“
  • „macht das nicht allein – denn die dazu nötige Kompetenz ist bezahlbar im Markt vorhanden.“

Wenn eine FMEA schnell und effizient in einem Unternehmen eingeführt werden soll, nutzen Sie bitte einen geplanten Change-Prozess. Dieser hilft, die Widerstände gering zu halten und den Erfolg schneller und mit besserer
Mitarbeitermotivation feiern zu können.

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https://www.iqs.de/346/fmea-huerde-oder-chance

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